Joachim Helfer
4. März, 20.00 Uhr
LIteraturhaus, Schwanenwik 38.
Eintritt: 6.50-/4.- DM.
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In seinem Romandebüt „Du Idiot“ (1994) erzählt Joachim
Helfer von einer Kindheit und Jugend in den 70er und 80er Jahren. Die Hauptfigur
Florian sucht sein Ich und findet doch nur Versatzstücke eines möglichen
Lebens. Unterwegs nach Kalifornien zur Beerdigung seines Vaters begegnen wir
diesem Florian König, 25jährig, in Helfers zweitem Roman „Cohn & König“
wieder, begleitet von Pierre, einem dreißig Jahre älteren Juden deutscher
Herkunft, der als Kind die Verfolgung durch das Naziregime miterlitten hat.
Schon mit der Liebes- und Lebensgeschichte des jungen Deutschen und des älteren
Pierre, die mit dem Irmgard-Heilman-Preis 2000 ausgezeichnet wurde, hat sich
Joachim Helfer auf ein „literarisches Minenfeld“ der deutschen
Gegenwartsliteratur gewagt. Und auch für seinen neuen Roman „Nicht Himmel,
nicht Meer“, der in diesem Frühjahr erschienen ist, wagt sich der seit einigen
Monaten in Berlin lebende Schriftsteller wieder an einen Themenkomplex, der
hoch politisch ist. Erik, einem jungen Hamburger Staatsanwalt, bietet der
Mauerfall die willkommene Gelegenheit, vor seiner langweiligen Ehe und der
festgefahrenen Karriere in eine mecklenburgische Provinzstadt zu fliehen, wo er
sich selbst endlich als jenen Fremden erfahren kann, der er sich selbst auch
vorher schon war. Dann ist da der Schüler Silvio, ein moderner Taugenichts, der
seine Reise in die entgegengesetzte Richtung antritt, aus dem Osten verschlägt
es ihn nach Hamburg. Die Beiden begegnen sich so wenig wie „Himmel und Meer“,
doch die jeweiligen Vorurteile und Erfahrungen west- und ostdeutscher Prägung,
erscheinen gespiegelt in den Erlebnissen der beiden Protagonisten. Joachim
Helfer ist ein genauer Beobachter, und mit „seiner starken, weil fintenreich
biegsamen, alle Gefahren wegredenden Sprache“ (Gustav Seibt) gelingt es ihm,
der jüngsten deutschen Gegenwart jenseits von Klischees eine Geschichte zu
geben. Im Literaturhaus liest Joachim Helfer am 4. März aus „Nicht Himmel,
nicht Meer“, Fritz J. Raddatz spricht eine Einführung und führt ein Gespräch
mit dem Autor.
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