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9.3., 20.00 Uhr
Deutsches Schauspielhaus, Kirchenallee 36.
Eintritt: 9.- Euro.
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Ob als Rap, HipHop, in freien oder klassischen
Formen: Gedichte sind voll im Trend. Neudeutsch firmiert die poppige
literarische Unterhaltung als "Poetry Kultur", die in Slamhochburgen
allmonatlich zelebriert wird - als oraler Breitensport unter einer
Dunstglocke aus Bier und Rauch. Der "Frühlingswind"
dagegen wird pünktlich zum Frühlingsanfang mit eher klassischem
lyrischen Repertoire herbeigereimt. Die Jahreszeiten, allen voran
der ersehnte Lenz, sind auch heute ein Standardthema für Gedichte,
besonders in Verbindung mit den Wallungen, die Männlein wie Weiblein
im Frühling so empfänglich für die Musen machen. Drei
Vorboten des Frühlingserwachens hat der MACHTclub mit Steffen
Jacobs, Hellmuth Opitz und Matthias Politycki für seinen Clubabend
am 9. März ins Schauspielhaus geladen. "Männer, die
über Frauen reden" verspricht uns die Ankündigung.
"Es leben jetzt, die wenigen ausgenommen, die selbst im Lyrischen
etwas Echtes hervorbringen, keine fünf Menschen in Deutschland,
welche über diese zartesten Geburten der Seele ein Urteil hätten."
Was Friedrich Hebbel 1838 in einem Brief feststellte, gilt als frühes
Zeugnis der Ansicht, die Beurteilung von Lyrik setze ein besonderes
Verständnis voraus. Hugo von Hofmannsthal war überzeugt
davon, dass sich über Lyrik "mehr in Metaphern als in dürren
Terminologien" reden lässt, und auch Bertolt Brecht, der
in der Lyrik immerhin "einen realistischen Standpunkt" ausmachte,
"fühlte", "dass man ganz außerordentlich
vorsichtig vorgehen müsste, wenn man darüber schreiben wollte".
Die Schwierigkeit, verbindlich festzulegen, was Lyrik ist, die mit
den Gründervätern der modernen Lyrik, Stéphane Mallarmé
und Arthur Rimbaud ihren Anfang nahm, hat bis heute die Konsequenz,
dass ein Gedicht mehr oder weniger das sein darf, was als solches
ausgegeben wird. Von der durch den Computer in Blocksatz gesetzten
Weltweisheit bis zum stumpfen Politvers: Gedichte gibt es für
und in allen Höhen- und Tiefenlagen. Vor manchen "Dichtern"
darf deshalb nur gewarnt werden. Und in der Regel besonders vor jenen,
denen der Ruf vorauseilt, ihre Gedichte seien eine Sache für
Spezialisten, also zu diffizil für den Durchschnittsverstand.
Die Lyrik von Steffen Jacobs, Matthias Politycki und Hellmuth Opitz
zeichnet sich dagegen nicht allein durch ihre Verständlichkeit
aus, sondern vor allem durch die Beherrschung des Formenkanons: Balladen,
Songs, Sonette, aber auch Lautgedichte und freie Lyrik finden sich
in ihren Gedichtbänden. Leichtigkeit und Witz, ja sogar die ein
oder andere Blödelei hat in ihrer Lyrik Platz, ohne dass sie
dadurch gleich banal würde. Sogar ein ganzer Jahrgang von Playboy-Häschen
hat Matthias Politycki in seinem zuletzt erschienenen Band "Ratschlag
zum Verzehr der Seidenraupe" als "abträgliche Nebenwirkung
von Kioskbesuchen" in einem Sonettzyklus verewigt. Und so nackt
wie in diesen Gedichten hat man die Playmates noch nie gesehen: "zur
Hälfte Bein, ein straffer Glücksverlauf / und voller Stolz
bis in die blanken Backen."
Hemmungslos, wortmächtig und im hohen Ton sehr konkreter Unendlichkeitsvisionen
wollen die drei Versschmiede im MACHTclub ihr Liebeswerben vortragen.
Und natürlich gibt es auch ein umfangreiches Begleitprogramm:
Die Band "Ludwig" trägt "schwermütige Endliebesballaden"
vor. Auch Männer dürfen weinen, ja, ja. Für die Jägermeisterschaft
gehen zur Erbauung und Stabilisierung des Testosteronspiegels dann
auch noch drei Herren auf Textbeute zum Thema Hirsch und Jäger.
Da bleibt nur anzumerken: Frauen aufgepasst!
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