
Die Sekunden danach
Jürgen Abel über den neuen Gedichtband von Matthias Politycki
Über das Lesen von Gedichten ist in den letzten Jahrzehnten vieles, vor allem aber dies gesagt worden: nur wenige tun es. Die Wenigen müssen weder belehrt noch bekehrt werden, weshalb es eine öffentliche Empfehlungs- oder auch Besprechungskultur für Gedichtbände kaum gibt. Ganz anders ist das, wenn ein neuer Gedichtband von Matthias Politycki erscheint, schließlich ist mit ihm, wie Albert Ostermaier befand, der „Großwildjäger unter den deutschen Lyrikern“ unterwegs, da schaut das Rezensentenvolk genau hin und lobt die poetische Pirsch dann in aller Regel über den grünen Klee. Dafür gibt es zwei gute Gründe:
Polityckis Gedichte sind verständlich, also nicht hermetisch und auch sonst in keiner Weise poetisch verschwurbelt, sie widmen sich (meist) alltäglichen Begebenheiten, die wir alle nachvollziehen können. Im Gedicht findet für ihn alles statt, von der „Badeschlappen-schönheit“ über das „Kleingedruckte“ bis zum „verfluchtenscheißjawirklichsehr“.
Darüber können endlich auch mal all jene was sagen, die Gedichte sonst meiden wie der Teufel das Weihwasser. Dazu kommt, dass Politycki ein Meister des lyrischen Oeuvres ist, er beherrscht die tradierten Formen des Gedichts, ob Lieder, Sonette, Balladen, experimentelle Gedichte, mit einer spielerischen Leichtigkeit, wie sonst kaum jemand in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Diese formale Besessenheit – akribisch vom Autor auch in mehreren Essays darüber festgehalten, was ein Gedicht kann, darf, soll - kommt schon in der Abfolge seiner Gedichtbände zum Ausdruck: Sein erster Gedichtband „Im Schatten der Schrift hier“, erschienen 1988, umfasste 22 Gedichte, der 1995 erschienene Sampler „Jenseits von Wurst und Käse“ brachte es immerhin auf schon 44 Gedichte, 2003 erschienen mit einem „Ratschlag zum Verzehr der Seidenraupe“ 66 Gedichte, und in diesem Frühjahr - wer rechnen kann, weiß es schon - ist nun der Sammelband „Die Sekunden danach“ mit 88 neuen Gedichten erschienen. Das Glück wird für die Leser von Polityckis Gedichten folglich mit jedem Gedichtband etwas größer. Den Auftakt zu dem neuen Sampler bildet das titelgebende Gedicht „Die Sekunden danach“, den Abschluss „Die Sekunden davor“, und, na klar, ganz am Anfang steht „Das Unglück“ und ganz am Schluss ein „Bonus Track“, mit dem uns der Autor noch einmal seine Laufstrecke zeigt, bevor es unwiderruflich zu Ende geht. Die Liebe und der Tod, die großen Ereignisse wie die verflixten Nichtigkeiten, in denen sich am Ende alle Alltagsinnigkeit (in einem „Schluck Rauch und Nebel“) verflüchtigt, darum geht es in dem präzise komponierten Formenreigen. Von der deftigen Büttenrede bis zum sublimen Parlando, hier ist unerschrocken in Rhythmus und Reim gebracht, worauf es ankommt im Leben. Und das schönste daran ist: Mit Politycki zwischen der Sekunde danach und der Sekunde davor abzuhängen, heißt immer auch: trotz allen Pathos angesichts unsrer tagtäglichen Katastrophen nicht den Humor zu verlieren, der selbst die schwersten Verse plötzlich ganz leicht macht.
Darüber können endlich auch mal all jene was sagen, die Gedichte sonst meiden wie der Teufel das Weihwasser. Dazu kommt, dass Politycki ein Meister des lyrischen Oeuvres ist, er beherrscht die tradierten Formen des Gedichts, ob Lieder, Sonette, Balladen, experimentelle Gedichte, mit einer spielerischen Leichtigkeit, wie sonst kaum jemand in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Diese formale Besessenheit – akribisch vom Autor auch in mehreren Essays darüber festgehalten, was ein Gedicht kann, darf, soll - kommt schon in der Abfolge seiner Gedichtbände zum Ausdruck: Sein erster Gedichtband „Im Schatten der Schrift hier“, erschienen 1988, umfasste 22 Gedichte, der 1995 erschienene Sampler „Jenseits von Wurst und Käse“ brachte es immerhin auf schon 44 Gedichte, 2003 erschienen mit einem „Ratschlag zum Verzehr der Seidenraupe“ 66 Gedichte, und in diesem Frühjahr - wer rechnen kann, weiß es schon - ist nun der Sammelband „Die Sekunden danach“ mit 88 neuen Gedichten erschienen. Das Glück wird für die Leser von Polityckis Gedichten folglich mit jedem Gedichtband etwas größer. Den Auftakt zu dem neuen Sampler bildet das titelgebende Gedicht „Die Sekunden danach“, den Abschluss „Die Sekunden davor“, und, na klar, ganz am Anfang steht „Das Unglück“ und ganz am Schluss ein „Bonus Track“, mit dem uns der Autor noch einmal seine Laufstrecke zeigt, bevor es unwiderruflich zu Ende geht. Die Liebe und der Tod, die großen Ereignisse wie die verflixten Nichtigkeiten, in denen sich am Ende alle Alltagsinnigkeit (in einem „Schluck Rauch und Nebel“) verflüchtigt, darum geht es in dem präzise komponierten Formenreigen. Von der deftigen Büttenrede bis zum sublimen Parlando, hier ist unerschrocken in Rhythmus und Reim gebracht, worauf es ankommt im Leben. Und das schönste daran ist: Mit Politycki zwischen der Sekunde danach und der Sekunde davor abzuhängen, heißt immer auch: trotz allen Pathos angesichts unsrer tagtäglichen Katastrophen nicht den Humor zu verlieren, der selbst die schwersten Verse plötzlich ganz leicht macht.






